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27d 9hDEBassenge

Bellemare-Gruppe – Die Beschneidung Christi

Bellemare-Gruppe – Die Beschneidung Christi

Die Beschneidung Christi. Deckfarben, reiche Goldhöhungen, wohl spätere Einfassung in schwarzem Pinsel, auf Pergament, auf Holz kaschiert. 15,3 x 10,5 cm. Um 1545/50. Wie schon die vorherige Losnummer, rezipiert auch die vorliegende Miniatur von der Hand eines Buchmalers der Bellemare-Gruppe nordische Bildtraditionen. In diesem Fall ist die direkte Vorlage identifizierbar. Die Komposition der „Beschneidung Christi“ greift einen Holzschnitt von Wolf Huber von ca. 1512/13 auf (Hollstein 3). Besonders exakt wurde das gotische Kircheninterieur mit Blick auf einen Lettner und die dahinterliegende Apsis übernommen, wohingegen das Figurenensemble des Holzschnittes zwar vereinzelt genaue Entsprechungen in der Miniatur findet, im Allgemeinen jedoch zugunsten einer figurenreicheren Szene erweitert und variiert wurde. Des Weiteren streckt der Buchmaler die gedrungen wirkende Architektur der Graphik in die Höhe, was der Darstellung einen weitaus eleganteren Charakter verleiht. Der Rahmen entspricht auch in diesem Fall den reich ausgestalteten Rollwerkeinfassungen fontainebleau’schen Geschmacks, die ab den 1540er Jahren zahlreiche Werke der Bellemare-Gruppe prägen. Die vorliegende Rahmung ist an den Seiten mit naturalistischen Lapislazuli-Kameen und Früchtekörben ausstaffiert, wie sie sich ähnlich auf den Einfassungen des grandiosen Recueil des rois de France in der Pariser Nationalbibliothek finden (vgl. BnF, MS. fr. 2848, fol. 45bis v, 50v, 90r), an welchem Hauptkünstler der Gruppe wie der Meister von Heinrich II. arbeiteten. Zusammenfassend stellen die beiden vorliegenden Miniaturen ein wichtiges Bindeglied zwischen der frühen Werkstatttätigkeit der Gruppe unter Bellemare und den später entstandenen Manuskripten ab den 1540er Jahren dar. Sie sind das Resultat der Arbeit eines Buchmalers, der zum einen die werkstatttypische Praxis der Wiederverwendung älterer Kompositionsmodelle pflegte und folglich Zugriff auf den Modellfundus des Ateliers hatte, der zum anderen aber seine Darstellungen mit manieristischen Elementen kombinierte, die über Bellemares Zeit hinausweisen. Wir danken Dr. Elizabeth L'Estrange, Birmingham, für wertvolle Hinweise. Provenienz: Edmond Lévy-Ditisheim (1896-1988), Basel. Durch Erbfolge Privatsammlung Deutschland.

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